Schlosspark Rumpenheim

Die Stadt Offenbach sperrt einige Bereiche des Schlossparks ... Hitze und Trockenheit belasten die Bäume in Offenbach schon seit einigen Jahren – jetzt hat die Stadt bei einer Kontrolle im Rumpenheimer Schlosspark feststellen müssen, dass dort erneut Ahornbäume und Platanen von der auch für Menschen potenziell gefährlichen Rußrindenkrankheit befallen sind. Der für die Krankheit verantwortliche Pilz fällt durch schwarze Sporen auf, die sich in einer dicken Schicht auf der Rinde sammeln und beim Menschen Reizungen der Atemwege verursachen können. Der Wassermangel habe die Bäume geschwächt und so anfällig gemacht, teilte die Stadt mit. Heilen kann man die Rußrindenkrankheit nicht, es bleibt nur das Fällen. Da die Bäume im Schlosspark nicht zeitnah beseitigt werden können, muss nun der Bereich hinter der Rumpenheimer Schlosskirche für mehrere Monate abgesperrt werden.

  Die Kirche, Mausoleum und Schloss Innenhof bleiben aber zugänglich, betont die Stadt. 


Wer den Schlosspark in Rumpenheim durchstreift, der kann sich an einem schönen Fleckchen Erde erfreuen. 
Dabei ist die Anlage, die sich östlich der ehemaligen Sommerresidenz des Landgrafen von Hessen-Kassel erstreckt, 
weit mehr als das. Sie ist ein Stück Kulturgeschichte, maßgeblich entstanden in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts, 
als man Gärten nicht länger wie zur Zeit des französischen Barocks mit Lineal und Heckenschere zurechtstutzen 
mochte, und stattdessen englische Landschaftsgärten in Mode kamen.





Platanenallee
 


Im Schlosspark geht es auch um Artenschutz. Dazu werden vor allem alte Bäume mit Höhlen erhalten. Totholz bleibt
liegen und zu dichte Ahornsämlinge werden entfernt, um dadurch den geschützten Fledermäusen eine freie Flugbahn 
zu ermöglichen. Dazu werden Blütensäume angelegt. Eingriffe, die durch den Wegebau entstehen, können mit diesen 
Maßnahmen ausgeglichen werden – dies wurde bereits in einem Artenschutzgutachten im Jahre 2009 bestätigt.
 



Ehemalige Voliere
 


Ehemalige Voliere
 


Schlosskirche und Mausoleum (rechts), das Mausoleum wurde 1805 errichtet. 
Heute nutzt es der Verein RUK (Rumpenheim Kultur) für Veranstaltungen.
 


Die schiefergedeckte Barockkirche wurde nach einem Entwurf von C.P. Diede aus Hanau gebaut und von der 
Ortsgemeinde finanziert. Sie war ursprünglich eine Dorfkirche der Rumpenheimer, die seit 1541 dem lutherischen und 
seit 1595 dem reformierten Glauben anhängen. Erst nach dem Ausbau des Rumpenheimer Schlosses (1781-1805) 
wurde die Kirche auch "Schlosskirche", da sie seit 1838 mitten im Schlossgarten steht. Gleichwohl nahmen dort auch 
die landgräfliche Familie und das Gesinde an den Gottesdiensten teil, und das hat der Kirche viele Zuwendungen aus 
dem Schloss gesichert. Jedoch verweigerte Pfarrer Samuel Eck 1894 der Kaisertochter und dem Landgrafen aus dem 
Rumpenheimer Schloss das Abendmahl in ihren Privatgemächern. Er verwies auf die Heilige Schrift, in der betont werde, 
dass innerhalb der christlichen Gemeinde die Unterschiede von arm und reich keine Rolle spielen dürften.
 


Schlosskirche
 


Die Schlosskirche in Rumpenheim liegt gegenüber dem ehemaligen Mausoleum. Im Süden der Kirche ist die 
landgräfliche Grablege des Hauses Hessen-Kassel-Rumpenheim. Die reformierte Kirche ist schlicht gehalten. Unter der 
Herrenempore sind Fürstenlogen im klassizistischen Stil um 1800 eingebaut. Rokoko-Elemente hat der Kanzelaltar im 
Süden der Kirche. Die Orgel ist ein Geschenk Herzog Adolfs von Nassau aus dem Jahre 1852 und wurde 2005 restauriert.
 


1965 kam es zum Verkauf der Schlossruine und des Parks an die Stadt Offenbach am Main. Die Kurhessische 
Hausstiftung, Stiftung der ehemaligen Fürstenfamilie, bettete daher ihre Toten aus dem Rumpenheimer Mausoleum 
um in die Grablege an der Schlosskirche.
 


Zwei neue Wege mit einer Gesamtlänge von 320 Metern wurden fertig gestellt, Blickbeziehungen wieder hergestellt 
und neue Tafeln informieren über die Besonderheiten der Anlage. Mit einer kleinen Feier wurden im 
Rumpenheimer Schlosspark die wieder hergestellten historischen Wege zur Zarenlinde und 
auf den Aussichtshügel am 28. Mai 2019 eingeweiht.



Der wieder hergestellte historische Weg auf den Aussichtshügel.
 


Der wieder hergestellte historische Weg auf den Aussichtshügel.



Der Aussichtshügel wurde zwischen 1768 und 1781 als Teil eines frühen landschaftlichen Parkes geschaffen.
 


Der wieder hergestellte historische Weg auf den Aussichtshügel.
 


In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand der Schlosspark in Rumpenheim sogar die Beachtung des damals 
berühmtesten Gartentheoretikers Europas. Christian Cay Ludwig Hirschfeld schreibt in seinem fünfbändigen Werk 
„Theorie der Gartenkunst“ (1779-1785):

„Der kleine Garten hat eine freye Pflanzung von einheimischen und ausländischen Bäumen, worunter sich besonders 
treffliche Katalpen (Trompetenbäume) befinden, die alle Jahre blühen und reifen Saamen bringen, der glücklich aufgeht, 
ein Beweis von der Milde dieses Himmelsstrichs. Der Garten verdient wegen seiner heiteren Lage verbessert zu werden. 
Dazu gehört besonders die Niederreissung der noch übrigen alten Hecken, und die Vertheilung des großen Gebüsches in 
schönere Gruppen, wodurch zugleich mehr Gänge gewonnen würden.“
 


In der Theorie des englischen Landschaftsgartens haben die Wege eine wichtige Funktion: Wie ein Erlebnispfad 
erschließen sie dem Spaziergänger den Park in seiner ganzen Vielfalt. Die Windungen sind ein Symbol für den 
verschlungenen Weg, den das menschliche Leben mitunter nimmt. Hirschfeld hat es so beschrieben:

„In Lusthainen und Gebüschen, in Wildnissen an den Ufern der Gewässer, streift man gerne auf sich krümmenden 
Pfaden umher, gerne schleicht man auf ihnen in waldigen Tiefen und dunkle Einsiedeleyen hinab, gerne windet 
man sich auf ihnen zu Anhöhen in der Runde hinauf. Wodurch allmählig eine Vervielfältigung und beständige 
Abwechselung der Prospecte entsteht. In Gärten von einem kleinern Umfang können gewundene Gänge auch 
dazu dienen, dass sie einen Schein der Vergrößerung erregen.“
 



Monopteros
 


Monopteros
 


Monopteros mit Allianzwappen
 


Monopteros
 


Der wieder hergestellte historische Wege zur Zarenlinde. 



Am Wegesrand das Fundament des Schweizerhauses.
 


Das Schweizerhaus entstand vermutlich 1858. Wie auf der Fotografie von ca. 1870 zu sehen ist, diente das Gebäude 
als Ruheplatz und vielleicht auch als Spielhaus. 
Der Herr mit Zylinder ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Prinz Friedrich von Hessen.
 


Parkausgang im Osten
 


Zarenlinde



Die Zarenlinde, es handelt sich um eine Krim-Linde, eine um 1860 entstandene Hybride aus der heimische  Winterlinde 
und der Schwarzmeer-Linde. Die heute vorhandene Krim-Linde könnte Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt worden 
sein. In dieser Zeit besuchte die Familie des letzten Zaren Nikolaus II. Hessen. Sie unternahmen zahlreiche Fahrten
zu Verwandten und Sehenswürdigkeiten.




Der filigran gebaute (rekonstruierte) türkische Pavillon mit dem charakteristischen Halbmond.
 


Die Schlossherren hatten ihn auf der 1. Pariser Weltausstellung von 1855 erworben und beim Eintreffen in Rumpenheim   
sogleich aufgestellt mitsamt einer gärtnerischen Komposition für die Umgebung.                                     
 


Türkischer Pavillon
 


Türkischer Pavillon mit dem charakteristischen Halbmond.
 


Türkischer Pavillon
 


Ein kleiner Fußweg schlängelt sich so wie vor 150 Jahren die kleine Anhöhe hinauf. Damit ist der orientalische Tempel 
einer von zahlreichen Staffagebauten, mit denen der Park im Sinne des englischen Landschaftsgartens einstmals 
geschmückt war. Aufgrund seiner prominenten Positionierung auf einer künstlich erschaffenen Erhebung ist er sowohl 
Blickfang von unten als auch Aussichtspunkt von oben. Der ständigen Witterung und leider auch allzu oft mutwilligem 
Vandalismus ausgesetzt, war er allerdings in letzter Zeit in seinem Bestand akut gefährdet. So bestand Handlungsbedarf, 
aufgrund der Bedeutung des Bauwerks und seiner Seltenheit entschloss sich der Magistrat der Stadt zu einer 
umfänglichen Instandsetzung, die insgesamt rund 90.000 Euro kostete. Nun sieht der Pavillon fast exakt wieder so aus 
wie zur Errichtung und versteht es in seiner grün-weißen Holzornamentik die Blicke des Liebhabers sowie 
des Parkbummlers auf reizvollste Art zu fesseln.
 


Türkischer Pavillon
 


Baumsaal
 


Sitzbank am Baumsaal
 


Der sogenannte Baumsaal wurde 2007 wiederhergestellt. Alten Plänen zufolge, soll er sich entlang der nördlichen Grenze 
des Parks, oberhalb der Mainaue, erstreckt haben. Der Jordan-Plan geht von etwa 50 Bäumen aus, angeordnet in drei 
Reihen. Während das Laub eine Art Baldachin formt, muten die Stämme wie die Säulen einer Kathedrale an.
 


Die Gestalt des Schlosses entspricht heute wieder der um 1805.
 


1985 wurden die Seitenflügel des Schlosses sowie die Marstallgebäude in Privatinitiative zu Eigentumswohnungen 
ausgebaut und vier Jahre später beschlossen die Offenbacher Stadtverordneten, auch den Mittelteil des Schlosses 
wieder aufzubauen. Im Jahr 2000 fand die Stadt einen Investor, der den Mitteltrakt denkmalgerecht wieder aufbaute. 
2003 wurde die private Wohnanlage fertig gestellt. 



Anfang der 70er Jahre hatte die Stadt überlegt, das Schloss abzureißen und stattdessen Wohnhochhäuser zu errichten.